Archiv

Artikel Tagged ‘Krimidinner’

Krimidinner - ein Leichenschmaus

4. November 2009

Das Krimidinner ist eine Veranstaltung von Galadinner. Auf deren Homepage kann man einen Einblick darüber gewinnen, was einen erwartet und auch Informationen über die anderen Veranstaltungen von Galadinner (bspw. Barockdinner, Mafiadinner) einholen. Weiterhin bietet die Website das Obligatorische, wie Terminübersicht und die Möglichkeit gleich Karten zu kaufen.

Das Krimidinner in Fürth findet im Logenhaus der Freimaurerloge Fürth statt. Das Logenhaus ist ein beeindruckender Bau, angelehnt an die italienische Palastarchitektur und zählt daher nicht umsonst zur herausragendsten Architektur der Stadt.

Grundidee der Geschichte ist, dass die Gäste mit in die Geschichte eingebunden werden. Vom Plot her geht es grundsätzlich darum, dass der Lord des Anwesend kürzlich verstorben ist und man sich nun zum Leichenschmaus mit gleichzeitiger Testamentseröffnung auf dem, laut Geschichte, in Schottland liegenden Schloss einfindet. Der Gast wird dabei unweigerlich Teil der Geschichte. In den Theaterelementen zwischen den Gängen wird man stets als Verwandschaft des Lords angesprochen, welche sich nun im Gedenken an den Verstorbenen (und in der Hoffnung auf das Erbe) auf dem Schloss eingefunden hat. Das macht sehr viel Spaß und wirkt angesichts der Lokation, wie auch des Auftretens der Charaktere durchaus glaubwürdig. Um das Ambiente zu unterstreichen erbittet der Veranstalter passende Abendgarderobe, was, wie ich finde, auch deutlich positiv zum Erlebnis beiträgt. Ich selbt trug einen schwarzen Anzug, dazu ein cremefarbenes Hemd mit verdeckter Knopfleiste, Kläppchenkragen und dazu eine schwarze Fliege. Damit war ich zwar auch wieder fast ein klein wenig overdressed, aber genau so wollte ich es auch ;)

Nach einer kurzen Begrüßung im Vorraum durch den Butler wird man dann, nachdem man Hut und Mantel abgelegt hat, nach innen gebeten. Nach Nennung des Namens sowie der Personenanzahl wird man dann von einer überaus förmlich agierenden Dienerschaft sowie Verwandschaft des verstorbenen Lords zum Tisch geführt. Der Saal ist prachtvoll eingerichtet. Die Deckenhöhe beträgt fast sieben Meter und versetzt einen in Staunen. Dabei wird man von den Verwandten in kleine Gespräche verwickelt. Es fallen Sätze wie “Ach mein Herr Vater war ja ein solch gesunder Mensch. Sein Tod trifft uns wirklich unvorbereitet, meinen Sie nicht auch Milord?” Das ist witzig und die Fragen sind so gewählt, dass man darauf immer etwas antworten kann.

Vom Ablauf wechseln sich beim Krimidinner Theater- und kulinarische Blöcke ab. Es gibt also immer einen Teil der Geschichte gefolgt von einem der insgesamt vier Gänge des Menüs. Danach wieder einen Theaterblock. Die Zeiträume sind dabei aber immer so gewählt, dass man nicht in Eile gerät. Man bekommt keinen Heißhunger während der Theaterphasen und es bleibt beim Essen genug Zeit um sich in Ruhe den Speisen zu widmen, noch Getränke beim überaus freundlichen und hilfsbereiten Personal zu ordern und natürlich mit den Tischnachbarn über die Entwicklung der Geschichte zu diskutieren. Nicht umsonst gibt der Veranstalter als Zeitrahmen 19:00 bis ca. 23:15 Uhr an.

Die Tische (es waren insgesamt zehn oder elf) sind allesamt rund und reich dekoriert. Alles mit weißer Tischdecke ausgelegt, in der Mitte trohnt auf einem kleinen Podest ein fünfarmiger Kerzenleuchter, welcher noch mit Spinnweben verziert ist um den Eindruck des alten Schlosses zu unterstreichen. Dann noch etwas Efeu und ein hübsches Grablicht runden den Eindruck ab. An unserem Tisch waren acht Sitzplätze, an manch anderem aber auch zehn. Insgesamt sind also rund 90 Gäste beim Dinner. Dennoch ist die Küche und das Personal flott unterwegs, egal ob beim Servieren oder der Getränkebestellung.

Das Menü beim Fürther Krimidinner baut sich folgendermaßen auf:

***
Aperitif
***
leckerer(!) Absinth

***
Knackige Salate an Limettendressing mit gebratenen Garnelen am Spieß
***
Den Salat fand ich lecker, wenn auch nicht unbedingt besonders. Verschiedene Blattsalate mit einem guten Öl/Balsamico Dressing und Garnelenspieß. Etwas was ich mir auch zu Hause machen würde aber ein schöner Start, der Lust auf mehr macht.

***
Cremesüppchen von Steinpilzen mit Kresse
***
Die Suppe gefiel mir schon besser. Sie war sämig im Geschmack und hinterließ ein weiches, angenehmes Gefühl auf der Zunge. Sehr lecker!

***
Schweinelendchen im Broccolimantel an Sherryrahm mit Buttergnocchi
***
Der Hauptgang war wirklich phantastisch. Ein wunderbar zartes Schweinefilet in einer würzigen Brokkoli Kruste, dazu Buttergnocchi, welche eine zart rauhe Oberfläche hatten und einen feinen Geschmack. Die Soße komplettiert das Essen fabelhaft.

***
Lebkuchenparfait auf Fruchtspiegel
***
Das Lebkuchenparfait klingt erstmal ein wenig einfallslos, überrascht aber mit einer wundervoll cremigen Konsistenz. Für meinen Geschmack war es würzig, ein Teil meiner Kollegen meinte es hätte für sie zu viel Zimt und ich muss zugeben, der Zimtanteil war schon an der Grenze zum “zu viel”.

Die Portionen wirkem im ersten Moment übersichtlich, sind aber so bemessen, dass man gut satt wird und nicht vom Völlegefühl geplagt wird. Ich war hochzufrieden und hatte nicht das Bedürfnis mehr zu essen. Zusätzlich steht ein gut gefüllter Brotkorb während des gesamten Dinners am Tisch. Jeder Gang wird vom Butler mit einem schönen Limerick umschrieben und dann eingegongt.

Ich kann nicht sagen was sich die Küche für Vegetarier ausdenkt. Man sollte das am Besten vorab bei der Reservierung klären, da angesichts der großen Gästezahl einiges an Planung notwendig ist.

Vor dem Dessert darf dann noch jeder Gast seinen persönlichen Tipp (auf einem “wettschein”, schließlich sind wir hier in Schottland!) bezüglich des Täters abgeben. Die Auflösung der Geschichte erfolgt dann nach dem Dessert, zu diesem Zeitpunkt wird auch noch das beste Outfit prämiert, wobei sich die Bewertung an Kreativität und Stil orientiert.

Was noch zu sagen bleibt:
Der Preis: Das Dinner kostet laut Homepage 75 Euro pro Person, darin enthalten ist ein Apperetif, Getränke kosten extra. Eine Karte mit Menüabfolge und Getränkepreisen liegt am Tisch aus.

Würde ich das Krimidinner weiterempfehlen: Ein klares Ja! Man muss sich hier bewusst sein, dass man nicht einfach nur schick Essen geht, sondern beim Krimidinner noch viel mehr dranhängt. Da ist noch die ganze Geschichte, die wirklich spannend und unterhaltsam ist und von den Schauspielern auch wirklich lebhaft verkörpfert wird.
Sicher schreckt der Preis den Ein- oder Anderen erstmal ab, es bleibt am Ende aber die Erinnerung an einen Abend, welcher durchaus die Bezeichnung ‘unvergesslich’ verdient.

Kochen / Essen , ,